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Mittwoch, 22. Juli 2009

Innsbruck - Kulturpolitisch grundlos glücklich

ich habe ja in der gemeinderatssitzung vom 9.7.09 in sachen performIC - untersagung von "punishment" vor dem goldenen dachl und "alpenglühen" vor der spitalskirche eine dringende anfrage eingebracht.

ihr findet sie in der beilage. normalschrift der anfragetext, kursiv die antwort formuliert offenbar durch dr. pühringer leiter stabstelle bürgermeisterin, verlesen durch vizebm. sprenger. da wir seit 2006 keine schriftlichen ausfertigungen mehr von den antworten bekommen, schneiden wir die verlesung im gemeinderat mit und tippen es dann ab. daher ist manchmal etwas nicht ganz verständlich, vor allem wenn nebengeräusche auftreten.

DRINGENDE ANFRAGE

Betr. Untersagung von Kunst im Öffentlichen Raum

In Innsbruck und Schwaz haben sich seit längerem 13 Galerien und Institutionen zu Innsbruck Contemporary (IC) zusammengeschlossen, um den Standort Innsbruck/Tirol im Bereich der zeitgenössischen, visuellen Kunst auf hohem Niveau zu stärken und zu fördern. Am Wochenende 26. bis 28.6.2009 machten sie unter dem Motto "performIC" den öffentlichen Raum von Innsbruck und Schwaz zur Bühne für Performance-Kunst. Doch leider wurde ihnen nicht in allen Fällen der gewünschte öffentliche Raum zur Verfügung gestellt. So war von der Galerie Thoman geplant, Julia Bornefelds "Alpenliebe - grundlos glücklich" in der Maria Theresien Straße vor der Spitalskirche zu zeigen, und der Kunstraum wollte Tatsumi Orimotos "punishment" am Platz vor dem Goldenen Dachl inszenieren.Beiden wurde von Exponentinnen der Weltstadtführung der gewünschte Ort untersagt.

Laut Medienberichten soll der Platz vor dem Goldnen Dachl für „punishment“ zu sensibel gewesen und Alpenliebe vor der Spitalskirche scheiterte angeblich am Puch - 500, den Tiefbaustadträtin Pokorny-Reitter als unpassend für eine angehende Fußgängerzone hielt.
Frau Bürgermeisterin möge daher folgende dringliche Anfrage beantworten:

1) Von wem wurde der Platz vor dem Goldenen Dachl für Tatsumi Orimotos „punishment“ untersagt?

Im Auftrag des Büros der Bürgermeisterin/Dr. Pühringer wurden die Veranstalter von dem für die Grundüberlassung zuständigen Referat Wirtschaft und Tourismus in Kenntnis gesetzt, dass die gewünschte Grundfläche insbesondere auf Grund der unten angeführten Begründungen nicht zur Verfügung gestellt werden können. Dem Veranstalter konnte jedoch der von ihm vorgeschlagene Alternativstandort am Domplatz seitens des Straßen und Verkehrsrechtlichen Bescheid vom 19. Mai 2009 und seitens des Grundeigentümers vertreten durch die Innsbrucker Immobilien Service GmbH mit schriftlicher Vereinbarung vom 9.6.2009 genehmigt werden.


2) Mit welcher Begründung erfolgte die Untersagung bzw. Nicht-Genehmigung?

Die Stadt Innsbruck wird laufend mit Anfragen von Veranstaltern konfrontiert den Platz vor dem Goldenen Dachl für diverse (mehr oder weniger tourismusrelevante) Veranstaltungen Promotionszwecke, Sport- u. Kulturprojekte und dgl. zur Verfügung zu stellen. Seitens des Referates Wirtschaft und Tourismus besteht grundsätzlich die Intention diesen Platz neben der jährlichen Abhaltung des Christkindl- und Ostermarktes nur für wenige ausgewählte standortadäquate Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.
z.B. Platzkonzerte des Tourismusverbandes (Rest nicht verstanden, da Gelächter)
In diesem Zusammenhang sind sowohl Vertreter der ansässigen Kaufmannschaft als auch Bewohner mehrfach an die Stadt mit dem Ersuchen herangetreten möglichst wenig zusätzliche Veranstaltungen zu genehmigen. (wieder – s.o.)

3) Von wem wurde die Performance „Alpenliebe – grundlos glücklich“ von Julia Bornefeld in der nördlichen Maria Theresienstraße vor der Spitalskirche untersagt?

Auch hier wurde der Veranstalter im Auftrag des Büros der Bürgermeisterin/Dr. Pühringer vom Referat Wirtschaft und Tourismus in Kenntnis gesetzt, dass die gewünschte Grundfläche im Bereich der Spitalskirche im Hinblick auf die unten angeführten Begründungen nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Jedoch konnte auch hier kurzfristig ein Alternativstandort in der südlichen Maria Theresien Straße gefunden und auch tatsächlich realisiert werden.

4) Mit welcher Begründung?

Im Wesentlichen gilt bei Entscheidungen hinsichtlich von Grundüberlassungen im Hinblick auf Sensibilität und Bedeutung des öffentlichen Raum in der Maria Theresien Straße ähnliches wie in der Altstadt. Erschwerend kommt in der Maria Theresien Straße zur Zeit die Umbauphase hinzu während dieser ohnehin die schon eingeschränkten Flächen für alle Lieferfunktionen - Zulieferverkehr, Fußgänger, Gastgarten etc. zur Verfügung stehen.

5) Erachten Sie persönlichen Geschmack von Repräsentantinnen der Weltstadtführung als ausreichendes Kriterium für den Umgang mit (temporärer) Kunst im Öffentlichen Raum?

Als hauseigenes Kriterium für den Umgang mit temporärer Kunst im öffentlichen Raum – nein.

6) Sehen Sie im Vorgehen der Akteurinnen einen Beitrag zur Förderung des Standortes Innsbruck im Bereich der zeitgenössischen, visuellen Kunst auf hohem Niveau?

So verführerisch auch eine kurze und prägnante Antwort auf diese so geschickt gestellte Frage sein mag, so unkompliziert und unvollständig wäre sie auch, im Gegenteil, die Frage muss und hat geradezu dialektisch beantwortet zu werden. Dabei ist vorab festzustellen, dass beide Veranstaltungen trotz schwieriger Bedingungen an Alternativstandorten genehmigt und durchgeführt werden konnten.
Erstere Dank der Unterstützung durch Dompropst Florian Huber, der sich gegenüber dem Kulturamt hoch erfreut über die Durchführung vor der Innsbrucker Patronatskirche geäußert hat. Auch führende Mitglieder der Unterstützungsgemeinde zeitgenössischer Kunst haben den Domplatz als richtigen Platz bezeichnet. Dies ergibt sich ja auch aus der Programmatik der Aktion.

Auch im Zusammenhang mit der zweiten Aktion muss der Anfragestellerin in Erinnerung gerufen werden, dass mit der Zustimmung im Sinne der Gleichbehandlung auch KFZ-Herstellern Tür und Tor geöffnet wären. Ob dies im Sinne des vom Gemeinderat gefassten Beschlusses für die Neugestaltung der Maria Theresien Straße wäre, darf bezweifelt werden.

Abschließend und zusammenfassend ist daher zu konstatieren, dass es sich weiniger um eine Frage des subjektiven Kunstverständnisses als viel mehr um eine Frage eines pragmatischen Ansatzes des Ermöglichens des Platzgreifens von Projekten der zeitgenössischen visuellen Kunst auf hohem Niveau handelt, wiewohl gleichzeitig legitime anders gelagerte Interessen der breiten Öffentlichkeit gemäß der Leitmaxime „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ Berücksichtigung finden.

Nach Anfragebeantwortungen braucht es für eine Debatte, eine Mehrheit. Da seit Jahren Anträge auf Eröffnung der Debatte keine Mehrheit mehr bekommen, fügen die AnfragestellerInnen beim Antrag auf Eröffnung der Debatte stets ein bis zwei inhaltliche Sätze ein.

StRin Schwarzl:
Auch wenn es dem Stabstellenleiter der BMin Dr. Pühringer gelungen ist, aus der Anfragebeantwortung beinahe eine kleine Performance zu machen, so ersuche ich doch um Eröffnung der Debatte, um auf hohem philosophischen Niveau über die Untersagungen als Aktionen auf hohem provinziellen Niveau diskutieren zu können.

Der Antrag auf Eröffnung der Debatte erhält nicht die erforderliche Mehrheit.

hier noch ein kurzer kommentar dazu von mir:

entkleidet man diese antwort der ironie und selbstironie - ihr ist ja im gegensatz zu üblichen amtlichen schriftsätzen eine gewisse zynische spritzigkeit nicht abzusprechen - so bleiben die nüchternen kernaussagen kulturpolitisch doch vielsagend.

unsere weltstadtführung geht offenbar davon aus, dass die altstadt "legitimen anders gelagerten interessen der breiten öffentlichkeit" - sprich touristischen märkten, blasmusik und sportevents - vorbehalten bleiben soll. die anrainerInnen sind mit diesen hochstehenden events belastet genug, kunst ist daher verzichtbar, unnötig, schlichtweg jener tropfen, der das fass zum überlaufen bringt.

schön auch, dass in dieser stadt offenbar die breite öffentlichkeit bis hin zu einer nicht näher definierten "unterstützungsgemeinde zeitgenössischer kunst" besser als die künstlerInnen bzw. kunstvermittlerInnen selbst wissen, wo kunst im öffentlich raum wirklich hinpasst. dass kunst vielleicht nicht irgendwo hinpassen muss oder will sondern eben an einem bestimmten ort mit einer bestimmten absicht intervenieren will, was scherts die breite öffentlichkeit in deren namen stadtverwaltung handelt.

manchmal ist innsbrucker kulturpolitik halt einfach "grundlos glücklich".

resumiert uschi

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