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Sonntag, 26. April 2009

Von Skandinavien lernen? Ein Reisebericht

Alle drei Jahre findet der europäische Gemeindetag des RGER - Rat der Gemeinden und Regionen Europas - statt. Vor drei Jahren, kurz nach der Gemeinderatswahl 2006 durfte Innsbruck diese Tagung mit über 1.000 TeilnehmerInnen aus ganz Europa ausrichten. Heuer war Malmö in der südschwedischen Region Skane (Schonen) Austragungsort für die 24. Hauptversammlung des RGRE.

Die Innsbrucker Delegation, die in Person von Bürgermeisterin Zach quasi die RGRE-Fahne an den Bürgermeister von Malmö übergab, bestand aus dem gesamten Stadtsenat (ausgenommen Vize. Platzgummer, der durch seine Anwesenheit Innsbruck vor Unregiertheit und Verwahrlosung schützen musste) und einigen städtischen MitarbeiterInnen.

Für mich war es der erste Besuch Skandinaviens überhaupt, und er war kurz aber beeindruckend. Weniger die Referate diverser RGRE-FunktionärInnen und gleichzeitig KommunalpolitikerInnen aus aller Frauen Länder, die mit wenigen Ausnahmen eher ermüdend denn erhellend, allgemeine Phrasen zu Umwelt/Klimaschutz/Wirtschaftskrise/Chancen/Nachhaltigkeit/öffentliche Dienstleistungen/Gleichstellung/... denn konkrete best practice Beispiele zu all diesen wichtigen Themen waren.
Sehr beeindruckt haben mich aber die Fachexkursionen. Natürlich war die Zeit (2 1/2 Tage) zu knapp, um euch umfassend über Schweden im Allgemeinen und Malmö im Speziellen erzählen zu können, aber die wenigen Eindrücke sind Indizien dafür, dass wir in etlichen Bereichen einiges von Skandinavien lernen können.

Malmö ist quasi das schwedische Gegenüber von Kopenhagen, der dänischen Hauptstadt. Bis vor wenigen Jahren waren Schweden und Dänemark hier durch den Öresund getrennt und gegenseitiger Besuch und Austausch nur per Schiff möglich. Das hat sich mit dem Bau der 17 km langen Öresundbrücke, einem majestätischen und dennoch eleganten Bauwerk geändert. Man/Frau erreicht sich nun per Bahn und Auto, zwar mit hoher Maut, aber dafür unkompliziert schnell. Viele SüdschwedInnen pendeln hier täglich ins dienstleistungsintensive Kopenhagen, wo das Gehalt um bis zu 40% höher ist als diesseits des Öresund.

Malmö, eine Hafenstadt, geprägt von großen Werften und großen Industriebetrieben wurde so wie ganz Schweden Mitte der 90er Jahre von einer schweren Wirtschaftskrise getroffen, die auch etliche Industrien Malmös dem Niedergang geweiht hat.

Anlass für diese Stadt, sich neu zu orientieren. Nicht nur durch die Öresundbrücke, sondern auch durch neue Wege in der Stadtentwicklungsplanung. Der sogen. Westhafen - wo sich auch das Messe- und Kongresszentrum, unser Tagungsort befand, ist dafür ein Beispiel. Ein riesiges Industrie- und Werftgelände am Öresund wurde und wird hier sukkzussive neu entwickelt. Durch Ansiedelung einer Universität mit uninahen Betrieben und eines neuen Wohngebietes - gehobene Mittelklasse aufwärts, Miete und Eigentum - ausgehend von einer internationalen Bauausstellung 2001 entsteht hier rund um den "Turning Torso" des spanischen Architekten Calatrava (ein 190 m hoher Wohnturm, der sich vom Grund bis zur Spitze um 90 Grad dreht) ein einmalig spannendes, durch einzelne ArchitektInnenwettbewerbe bewusst bunt und vielfältig gestaltetes Wohnviertel mit Strand und Arbeitsplätzen. Und all das wird in einer Private-Public-Partnership (Stadt Malmö und e-on) zu 100% mit erneuerbarer Energie versorgt. Photovoltaik, Windkraft (off shore) und eine Biogasanlage (Bioabfall wird direkt von den einzelnen Wohnanlagen durch ein Röhrensystem der Anlage zugeführt) erzeugen den Strom, Wärme und Kühlung erfolgen über Solarthermie und Wärmepumpen.

Interessant für mich auch die Wahrnehmung, dass der Autoverkehr in Schweden - auch hier im dichter besiedelten Süden - eine untergeordnetere Rolle zu spielen scheint, als bei uns. Auch zu Stoßzeiten keine Staus und einfach wenig los auf den Straßen. Dafür umso mehr auf den Radwegen, die es in Verbindung mit gar jeder Straße zu geben scheint - und sei es einfach nur abgetrennt durch einen Streifen. Einfach, schlicht, klar und ganz offrenbar bestens angenommen. Und an jedem bedeutenderen öffentlichen Ort abgestellte Fahrräder soweit das Auge reicht. Ohne tolle Abstellanlagen, ein gewisses Chaos und eine gewisse Stadtbildbeeinflussung in Kauf nehmend (übrigens auch in Kopenhagen, wo beim ÖV-Terminal ähnlich unserem Marktplatzterminal die Räder sogar in 2 Etagen geparkt werden - mitten auf einem historischen Platz). Das Fahrrad gehört dort offenbar zum Stadtbild, es muss nicht nuterInnenunfreundlich in Hinterhöfen oder gar Tiefgaragen versteckt werden. Das Rad und das Radfahren sind In, sind Normalität. Da bin ich ja gespannt auf die noch kommenden Debatten über Räder in der Maria Theresienstraße.

Und noch einige Infos von einer Fachexkursion betr. Kinderbetreuung möchte ich euch nicht vorenthalten. Von 1 - 6 sind Kinder hier gut betreut. Von ihren Vätern oder Müttern (bewusst die Väter voran, viele mit Kinderwagen unterwegs, Karenzsytem fördert das, ebenso wie das prinzip, dass jeder mensch unabhängig vom Geschlecht ein Einkommen haben soll. Somit bei Trennung Unterhalt nur für Kinder, nicht für PartnerIn), und in Betreuungseinrichtungen mit Öffnungszeiten von 6.30 bis 18.30 - und für Menschen, die nachts arbeiten (wie z.B. Gesundheitspersonal) auch mit Nacht/Schlafbetrieb. Eine Betreuerin für 5 Kinder, fast familiäre Athmosphäre.
Wir haben eine solche Einrichtung besucht. Eine alte, umgebaute kleinere Villa in einem großen Garten. Hier arbeiten die BetreuerInnen und wohnen die Kinder allein von den Räumen her schon fast wie zu Hause. In der Küche des Hauses kocht eine eigene Köchin. Die Räume sind Zimmer, wie es sie halt in einem großen Wohnhaus gibt, kindgerecht adaptiert, wort wo es notwendig ist (Stiegenhaltgriffhöhe, Wickletisch - übrigwens Kreuzschonen für die BetreuerInnen auf Knopfdruck höhenverstellbar,...).

Unvorstellbar bei uns: Bei uns müssen die Räume alle möglichen Normen erfüllen - eine städtischen Betreuungseinrichtung in solch einem Haus wäre undenkbar - dafür wird beim Personal geknausert. In Schweden scheint es anders zu sein. Bedenkenswert, meine ich.
Im Alter von 6 bis 7 gehen die Kinder dort übrigens in eine Art Vorschule. Jedenfalls sind die Kinder hier von kleinst auf bunt gemischt - auch was die Herkunft und Sprache betrifft. Bei Bedarf kommen muttersprachliche TrainerInnen in die Einrichtungen. Und wenn sie dann mit 7 die Schule starten, ist die schwedische Sprache für sie eigentlich kein Problem mehr.

Und übrigens: Neben all den interessanten Dingen war es einfach auch wunderschön. Es waren die ersten Frühlingstage im Norden. Zwar um rund 10 Grad kälter als hier, aber sonnig - übrigens zur Zeit bis rund 21.30. Die Plätze haben sich abends gefüllt und tausende FlipFlops wurden in diesen Tagen offenbar für heuer zum ersten Mal ausgeführt.
Malmö und Kopenhagen sind jedenfalls eine Reise Wert. Alt und Neu - diese Kombination schient dort - auch architketonisch - besser zu gelingen als bei uns. Oder vielleicht macht einfach die emotionale Distanz milder. Am besten ihr macht euch einmal selbst ein Bild . Ein Besuch lohnt sich jedenfalls.

Empfiehlt Uschi

Kommentare:

Andy hat gesagt…

Schöner und netter Reisebericht!
Wie ich aber hier auch schon geschrieben hab ( http://www.alteknacker.at/2009/03/07/mit-voller-hose-ist-leicht-stinken-sagt-der-volksmund.html ), sollte man nicht ständig einzelne "Errungenschaften" vergleichen, sondern zuallererst einmal schauen, wie das alles finanziert wird.

Und so nebenbei:
Wenn dieses "Man/Frau" kein tipfehler war, sollten sie fairerweise auch das "a" bei Frau weglassen ;-)

Uschi Schwarzl hat gesagt…

zum ersten absatz:

da haben sie recht - aber dafür zu wenig zeit und zu geringe sprachkenntnis. aber es ist ein reisebericht mit schlaglichtern. was sie zurecht wünschen ist ein gesamt-länder-vergleich.

zum 2. absatz: kein tippfehler - unfair :-)

gruß uschi schwarzl

wome hat gesagt…

Ja, der hohe Norden hat es in sich. Dabei gelten die Schweden ja als die Streber des Nordens. Mir persönlich gefallen Norwegen und Finland besser, allerdings sind das gnadenlose Walfänger ;-).
Ja, von den Ländern könnten wir viel abschauen, tun wir aber nicht, sondern machen munter weiter, dort wo wir schon seit 20 Jahren hätten andere Wege einschlagen sollen. Allerdings hat auch der Norden seine Schattenseiten.
Freu mich schon auf einen Kaffeeplausch,
Liebe Grüße
WoMe

Anonym hat gesagt…

vollkommene zustimmung!! malmö könnte ein vorbild sein! bin häufig aus privaten gründen dort und kann die erfahrungen bestätigen: jeder wird nach spätestens einer stunde in der stadt ihren bericht ebenso bestätigen wie ich! und auch ich habe mir gedacht: Warum geht das in ibk nicht? die sache mit dem verkehr und den fahrrädern wäre doch mal eine nachfrage in malmö wert, wie man das gemacht hat und warum es funktioniert?? und keiner braucht mit dem wetter kommen: in schweden ist nicht mehr oder weniger kalt und nass wie in innsbruck... und die paar tage in denen der Schnee auf der straße liegen bleibt, ist ein auto auch besser in der garage aufgehoben als auf der straße! also! Fragen sie dochmal nach in malmö :-)

Frank Robinson hat gesagt…

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Uschi Schwarzl - innsbruck.gruene.at